Der Gipfeltag!! / Tag 8

Dieser langersehnte und sehr gespannt erwartete Tag fing nach einer relativ gemütlichen Nacht mit einem fiesem Weckerruf um 5:30 in der Früh an. Luca war schnell fit und munter nachdem ich ihn mit Mühe aufgeweckt hatte und er sprudelte vor Vorfreude. Ziemlich unausstehlich nervig war er sogar beim Frühstück, wegen der Aufregung. Wir wollten einen frühen Start hinlegen, die 1600 bevorstehenden Höhenmeter würden kein Zuckerschlecken werden und das Filmen würde ganz sicher auch seine zusätzliche Zeit brauchen. Das Frühstück dauerte etwas länger als geplant, bis wir endgültig zusammengepackt und startklar waren auch, und so ging es erst kurz nach 7:00 Uhr langsam los. Gestern morgen wachten wir zu einem strahlend blauem Himmel auf aber heute hatten wir das Glück leider nicht! Es sah danach aus, dass die dicken Wolken den Berg wieder fest umhüllt hätten und den Blick nach oben sicher nicht freigeben würden. Es war düster und dunkel als wir im Sprühregen hintereinander losmarschierten, Luca vorne weil er darauf bestand der Erste zu sein. Wir hatten die Gore Tex Jacken an um im Nieselregen trocken zu bleiben und waren ziemlich angespannt, den Kopf voller Gedanken mit Fragen wie der große Tag heute werden würde. Aber wir waren auch super gelaunt und motiviert und immer wieder überkam es mich oder Luca wie verrückt es war, dass wir jetzt tatsächlich gerade die letzte Etappe zum Gipfel der Zugspitze angingen! Nach so langer Vorbereitung, nachdem wir so lange darauf hingefiebert hatten. Es war schon etwas Besonderes.



 

Dann kam Clemens mit der ersten Kamera, dann Luca, dahinter ich und zum Schluss Chris mit der zweiten Kamera. Wir müssen ein ziemlich eigenartiges Bild abgegeben haben… Die lange Leiter und das „Brett“ waren überhaupt kein Problem und immer noch im dicken Nebel ging es weiter. Mir lief der Schweiß in Strömen von der Stirn dank meinem bescheuertem riesigen Rucksack, für eine Zugspitze-Besteigung lächerlich voll gepackt und viel zu schwer, und Clemens ging es ähnlich mit der ganzen Kameraausrüstung. Luca stieg aber munter weiter, sang Lieder und plapperte gut gelaunt wie ein Wasserfall. In den Zwischenetappen wo nicht gefilmt wurde, konnte er wieder zu Oli aufholen und die beiden quatschten munter miteinander und führten uns stetig höher.

Irgendwann riss der Wind ein Loch in die dunklen Wolken über uns auf und blauer Himmel blitzte durch und der Anblick gab uns neuen Schub. Weiter ging es, irgendwann erreichten wir dann das Geröllband das hoch zum Gletscher führt, immer noch in Wolken gehüllt, aber dann plötzlich tat sich ein größeres Loch in den Wolken auf und eine steile gelbe Felswand war zu sehen, genau so schnell war der Ausblick wieder weg aber jetzt lebte die Hoffnung, dass wir doch noch den Gipfel zu sehen bekommen würden! Eine Viertelstunde später riss es noch einmal auf, dieses Mal direkt über uns und gab den Blick frei auf den weißen Gletscher und die Zugspitze, brillant, von frischem weißen Schnee bedeckt! Der Blick war unglaublich! Wir waren jetzt über den Wolken und hatten freie Sicht auf den Gipfel, den Gletscher und die steile Wand die zum goldenen Gipfelkreuz führt! Hinter uns nur eine endlose weiße Decke aus Wolken. Unglaublich schön und beeindruckend.



 

Wo viele Andere aber “ oh, shit!“ gesagt hätten, weil es jetzt auch klar und deutlich war, dass wir noch einen harten Weg vor uns hatten, bekam er nur noch mehr Lust darauf weiter zu gehen und er machte uns allen verbal Feuer unter den Hintern. Wir haben dann kurz vor dem Gletscher in der Sonne eine kleine Mittagspause gemacht, gegessen und getrunken und sind dann weiter in Richtung ewiges Eis gestampft. Der Gletscher war von sulzigem Schnee bedeckt und in den steilen Passagen musste man wirklich auf jeden Tritt achten, die Schuhkanten richtig rein schlagen um nicht abzurutschen und und eine nasse, kalte Fahrt bergabwärts zu machen. Unter einem konnte man an manchen Stellen die Spalten erahnen über die man lief, zum Teil rein schauen. In so einem Moment sollte man nicht zu genau die theoretischen Szenarien durchdenken die dort passieren könnten sondern zackig weiter und höher steigen. Zum Glück konnte man auch erst von oben in der Gipfelwand sehen wie spaltig dieser kleine Gletscher eigentlich ist. Luca fand es super auf dem Gletscher unterwegs zu sein! Die Spur führt hinauf zum Bergschrund der, wie ich gehört hatte, immer größer wird und es schwierig macht um an den Klettersteig ran zu kommen. Ein loses Stahlseil hing runter mit dem man die ersten Meter hoch kraxeln konnte und ab da waren wir dann im zweiten Teil des Klettersteigs und hier wurde es so richtig cool und spannend. Ich mag es ausgesetzt, steil und hoch und hier kommt man auf seine Kosten. Luca fand es auch super, hing sich raus um in seinem Übermut anzugeben und hat es dann gleich von mir zu hören bekommen! Meine größte Sorge bei dieser Tour mit Luca war eigentlich weniger die Frage ob er es schaffen kann, sondern ob er so lange und so intensiv konzentriert und vorsichtig sein könnte. Hier oben im alpinen Gelände können sogar kleine Fehler fatal sein und ein paar Mal habe ich gemerkt wie bei ihm die Aufmerksamkeit nachlässt und er anfing albern zu werden. Ich habe ihn da dann immer „gezwungen“ eine kleine Pause zu machen um etwas zu essen und zu trinken um den Kopf und den Körper wieder Treibstoff zu liefern um zu konzentrieren. Aber kritisch war es eigentlich nie mit Luca. Er hat sehr gut aufgepasst, hat extrem sorgfältig seine Klettersteigset benutzt, bedacht seine Schritte gewählt und oft genug uns große Jungs geschimpft wenn wir es nicht nach Vorschrift gemacht haben.

Der Steig der zum Gipfel führt hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, natürlich auch weil die Vorfreude mit jeden gewonnenen Höhenmeter stieg, aber der Klettersteig zieht und zieht sich bis man endlich den Grat erreicht und über die Kante diesen unglaublichen Tiefblick in Richtung Garmisch hat. Irgendwann hielt Luca an und umarmte mich und fing an zu weinen weil er so gespannt war und so glücklich dass wir gleich auf dem Gipfel stehen würden! Da konnte ich es dann auch nicht mehr zurück halten und so hingen wir dann zusammen 500m über dem Gletscher und heulten vor Freude… Es ist schwer das in Worte zu fassen und irgendwie auch gut so, es war auf jeden Fall einer der Momente für die sich all diese Mühe und Anstrengung gelohnt hat. Das war einfach nur pures Glück! Nicht lange danach waren auch die letzten Meter überwunden und wir machten die letzten Schritte zum großen goldenen Gipfelkreuz. Angekommen! Oben! Top of Germany! Überglücklich!

Das Team: Sebastian – Luca – Oli – Clemens – Chris

LEAVE A COMMENT