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Kletter-Schmankerl am Buchstein

11. November 2011 · Posted In: bergsteigen, klettern

Besser geht es kaum! Föhn am Alpenrand und das am ersten Novembertag, Schulferien, kein Foto-Job der ansteht, also nichts wie auf in die Berge und das Beste aus dem Tag machen. Um 7 Uhr sind wir aus München losgefahren, Ziel war dieses Mal die Südwest Wand vom Buchstein an der Tegernseer Hütte. Vor 2 Wochen haben wir nur einen kleinen Eindruck von den vielen Möglichkeiten bekommen die das Gebiet bietet und dieses Mal wollten wir “höher” hinaus. Beim Serpentinenanstieg merkten wir schon sehr schnell, dass wir viel zu warm angezogen waren und schnell schälten wir uns aus den verschiedenen Schichten. Tshirt und kurze Hosen wären die bessere Wahl gewesen für das Wetter. Unglaublich und herrlich. Nach einem kleinen Pitstop bei der Sonnenalm von wo aus sich die ganze Südseite von Ross- und Buchstein präsentiert, stürmten wir weiter zum Fuß der Wand. Ich schlug vor, dass wir uns das “Südwestschmankerl” an der Buchstein vornehmen: 5 Seillängen, 6- und damit die schwierigste und längste Route die Luca bis jetzt geklettert ist. Helle Begeisterung ohne wirkliche Vorahnung was uns erwartete war die Reaktion und das war gut genug für mich. Die erste Seillänge war kurz und nett, der Rucksack mit meiner Kameraausrüstung ungewohnt aber es war so ein Spaß! York und Luca kamen hinterher, Luca mit einem Riesengrinsen auf seinem Gesicht gemalt trotz der ziemlich kniffeligen Stelle die für ihn, mit seinen 1,45m, eine echte Herausforderung darstellte. Ich hab die erste Seillänge als Teststrecke gesehen, wären da schon zu große Schwierigkeiten gewesen oder andere Gründe die weiteren vier Seillängen nicht zu begehen, wären wir mit dem Doppelseil im Handumdrehen wieder am Wandfuß gewesen aber Luca und York, für den die Route genau so Neuland war wie für Luca, wollten es wissen. Die zweite Seillänge wurde schon schwieriger, an einer blanken gewölbten Platte habe ich mich hochgekratzt, zwei Meter über der letzten Ex und mit vollen Gewicht an einen Untergriff gekrallt, klappte es dann irgendwie und dann ging es zum Glück etwas weniger ausgesetzt weiter zum Stand. Die zwei Konsorten hatten jeweils ihre eigenen Schwierigkeiten mit der Schlüsselstelle, Luca hauptsächlich weil ihm die Reichweite fehlt aber mit leichtem Zug von oben zur mentallen Unterstützung klappt es dann. In der dritten Seillänge wurde es für mich dann wirklich ungemütlich. In einem großen off-width Riss der sich leicht nach hinten zurücklehnte und nur mit negativen Griffmöglichkeit bestraft war, stand ich irgendwann dann da und wusste nicht mehr weiter. Ich stand, mehr schlecht als recht, gerade noch so in Balance, und bei jeder Bewegung fühlte ich wie die unstichtbare Hand der Schwerkraft mich rücklings nach hinten ziehen wollte. Man, fühlte das sich beschissen an! Rückzug ging nicht, also musste ich weiter. Gefühlte 30min später, in denen ich den Fels um mir herum befummelte und hoffte doch einen großen Henkel zu entdecken der meine abrupt unterbrochene Vorstellung retten würde, habe ich irgendwann alles auf eine Karte gesetzt, ein oder zwei winzige Griffe gepackt und mich aus dem blöden Riss gezogen. Elegant war es mit Sicherheit nicht, Effektiv auch nicht, aber ohne Abflug bin ich durchgekommen und darüber war ich froh. Meine zwei Kumpels kammen mit ordentlich Zug von oben durch, York mit einem Fall ins Seil aber zum Glück war nach der fiesen Crux schluss mit den schweren Moves und über leichtes Gelände gings dann hoch auf dem Gipfel! Stolz und Glücklich standen wir dort oben, eine herrliche Fernsicht in alle Richtungen, aber Hunger und Durst drängten uns hastig durch die fiese abgespeckte Rinne runter zur Tegernseer Hütte. Luca verdrückte einen Riesenteller Spiegeleier mit Speck so viel Hunger hatte er aber die schnell sinkende Sonne zwang uns die Hufe zu schwingen. Am Wandfuss hatten wir alle Drei vergessen zu überlegen wie wir von oben runter kommen würden. Abseilen war keine Option mehr, das hätte zu lange gedauert also mussten wir in unseren Kletterschuhen zum Wandfuss runter kraxeln. Wie eine Horde Spinner müssen wir ausgesehen haben wie wir humpelnd und laut fluchend, von Schmerzen gequält, runter liefen. Nicht ganz von geistiger Fähigkeit und Erfahrung verlassen, hatten wir zum Glück schon daran gedacht Stirnlampen mitzunehmen. Um 18 Uhr, als die Sonne am Horizont verschwand, wurden wir wieder daran erinnert das jetzt eigentlich Winter ist und so mussten wir den ganzen Weg runter zum Parkplatz im Dunkeln gehen. Aber was für ein cooler Tag es war!

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