Vor fast genau 17 Jahren, als ich 17 Jahre alt war, durfte ich meine erste Expedition machen. Alles was mit Afrika zu tun hatte interessierte mich – geboren in Südafrika zog es mich einfach dort hin. Damals lebten wir in Kalifornien, ich ging auf die High School, ein Jahr hatte ich noch bevor ich auf die Uni gehen würde und ich wollte einfach nur zurück nach Afrika. Als meine Eltern beschlossen dann im Sommer eine Reise zurück “nach Hause” zu machen (mein Bruder und ich sind in Südafrika geboren und aufgewachsen) habe ich die Chance genutzt und sie überredet mich alleine nach Kenya fliegen zu lassen um den Mt. Kenya zu besteigen. Ich weiß nicht wie meine Eltern Ja sagen konnten, aber sie ließen mich, zusammen mit meinem besten Freund Chris und meinem Cousin, Carl, alleine die ganze Reise organisieren und durchführen. Ein Abenteuer in Eigenregie!
Unsere Logistik war an manchen Punkten sehr fragwürdig: um Gewicht zu sparen und um es uns einfach zu machen, war es unser Plan für 6 Tage am Berg pro Tag und pro Person drei Powerbar Riegel als Nahrung mitzunehmen. Abendessen würden wir kochen, Haferflocken müssten fürs Frühstück reichen, alle anderen Ernährungsbedürfnisse würden die Powerbars erfüllen! Powerbar war damals noch ganz neu auf dem Markt und die Dinger gab es zwar in drei Geschmacksrichtungen aber nur in einer Konsistenz: beinhart und klebrig wie Leim! Und, was wir noch nicht wussten, bei kalten Temperaturen konnte man nur noch Stücke abbrechen und im Mund so lange aufweichen/auftauen lassen bis sie ohne Gefahr von Zahnverlust “genoßen” werden konnten. Von den 18 Riegeln im Rucksack konnte ich nur 2 oder 3 runterwürgen egal wie hungrig ich war, den anderen ging es ähnlich.
Ein anderer Fehler und ein weitaus ernsterer, geboren von guten Absichten, wurde mir sogar fast schon vor unserer Ankunft in Kenya zum Verhängniss. Weil Kenya von Malaria geplagt ist, bestanden unsere Eltern darauf, dass wir Medikamente dagegen einnehmen. Ich ging also zum Hausarzt, erzählte ihm wo es hin ging und er schaute in einem dicken Buch nach was es zu verschreiben galt. Er hatte noch nie eine Malaria Prophylaxe verschrieben. Die nette Droge mit dem Namen Lariam, die ich dann in der Apotheke abholte, sollte ich auf Anweisung vom Arzt ein Woche vor Ankunft im Malariagebiet anfangen einzunehmen. Ein Mal täglich eine Fette Pille. Ein paar Tage später wurde es seltsam: ich bekam völlig wirre Träume, verlor mein Gefühl fürs Gleichgewicht, das Schreiben war fast unmöglich weil meine Hände so zitterten und im Flugzeug, kurz vor der Landung in Nairobi, stand ich auf um aufs Klo zu gehen und fand mich im nächsten Moment ohnmächtig auf dem Boden, nach oben schauend, umringt von sehr besorgt drein schauenden Gesichtern und einer Stewardess die mir wieder auf die Beine half! In Nairobi trafen wir meinen Onkel und Cousin und einer der beiden fragte mich nach den Medikamenten und als ich ihnen sagte, dass ich einmal täglich so eine Giftpille schluckte, fiel ihnen die Kinnlade runter. Es stellte sich heraus, dass der Hausarzt mir die falschen Anweisungen gegeben hatte: nur einmal wöchentlich, nicht täglich sollte man eine Pille einnehmen! Am 8. Tag war ich wohl so high von dem Zeug und vergiftet, dass es anfing gefährlich zu werden. Ich habe sofort aufgehört die Medikamente zu nehmen und fortan war es der Gag, dass ich so toxisch sei, dass die Mücken beim Stechen schon krepieren würden. Bis wir am Berg waren, waren die komischen Symptome weg und alles war in Ordnung.
Ich hatte schon lange von großen Abenteuern geträumt und bei dieser Mount Kenya Expedition, die wir selber auf die Beine stellen mussten, auf die wir uns lange vorbereitet hatten, machte ich zum ersten Mal die Erfahrung wie es ist einen Traum, auch wenn leicht größenwahnsinnig und ungewöhnlich, tatsächlich zu verwirklichen. So ein Erfolgserlebniss prägt und stärkt einen Menschen und eigentlich kann ich nur der Weisheit und dem Vertrauen meiner Eltern dafür danken, dass Sie es mir möglich gemacht haben so eine Reise durchzuziehen und die Erlebnisse haben zu dürfen.
Und jetzt, mein halbes Leben später, fast genau 17 Jahre danach, steht wieder ein großes Abenteuer an und dieses Mal bin ich selber Vater und habe das unglaubliche Glück dieses Abenteuer zusammen mit meinem kleinen Sohn zu erleben. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen!!







