Regen im Höllental / Tag 4

Irgendwie scheint der Winter uns Südafrikaner zu mögen, damals im Juni schon, und jetzt, wie es scheint, im August auch wieder! Besseres Wetter hätten wir uns in den letzten drei Tagen gar nicht bestellen können, sogar der Regen der uns am Dienstag berieselte, kam netterweise in der Nacht und war am morgen wieder weiter gezogen, aber jetzt scheint es, dass wir die wettertechnische Arschkarte gezogen haben… Morgen, eigentlich unser geplanter Gipfeltag, soll es Dauerregen geben, über 100L Wasser pro Quadratmeter und am Samstag obendrauf Minusgrade und Schnee oberhalb von 1800m! Häh!?! Mit den Aussichten, habe ich gestern logischerweise beschlossen, dass wir keine Gipfel angehen werden! Das Dilemma war also nicht ob wir abwarten sondern wie wir abwarten. Wir können zwar hier in der Nähe der Alpspitzbahn auf der Wiese weiterhin zelten, aber drei Tage im Zelt gefangen zu sein, die einzige Waschgelegenheit im benachbarten Schweinestall, erschien uns nicht sehr prickelnd. Also haben wir beschlossen doch heute noch zur Höllentalangerhütte aufzusteigen und das Wetter hier oben auszusitzen. Während um uns herum die Wolken immer dichter wurden und das Wetter sich endgültig zum Schlechten wendete haben wir schnell in Garmisch eingekauft und jetzt doch noch das ganze Geschirr und den Kocher und die Töpfe mitgenommen damit wir uns wenigstens selbst versorgen können, getreu unserem Motto. Mit lächerlich schwerem Rucksack (warum habe ich die ganze Kameraausrüstung dabei, auch noch ein Stativ, Mikro und das ganze Zeug zum Kochen?) sind wir dann im strömenden Regen in Hammersbach losmarschiert. Den Anhänger, die Bikes und die Dinge die wir nicht auf dem Berg brauchen haben wir im Tal gelassen und, ohne eine andere Menschenseele zu treffen, sind wir im schwindenden Tageslicht durch die Höllentalklamm gestiegen, Wasser von oben, von unten und von der Seite. Luca war schwer beeindruckt und hat vor Freude über den Lärm vom tosenden Wasser und der unglaublichen Kulisse gebrüllt und obwohl es miese Wetter war, der Rucksack sich wie ein Anker anfühlte, es fast dunkel war und ich innen unter meiner GoreTex Jacke vom Schweiß genau so nass war wie von außen, hat es sich super angefühlt! Wir beide,m Luca und ich gegen die Elemente, mit eigener Kraft hindurch ein großes Ziel vor Augen, das ist das Abenteur auf das ich gehoft hatte! Es hat sich super angefühlt! Das Allerbeste: Luca hat, glaube ich, dasselbe gespürt! In solchen Momenten fühlt man sich lebendig und ist voll und ganz in seinem Element. Und das obwohl ich mich ehrlich gesagt auch gefragt habe, warum zum Teufel ich mir und Luca so etwas antue… Aber, als wir dann in der Höllentalangerhütte saßen und gerade ausdampften, sagte Luca mir wie unglaublich er es findet, dass wir in nur ein paar Tagen so weit gekommen sind! Das er es sich am Montag, als wir losradelten, gar nicht vorstellen konnte, dass er das schaffen könnte! Und genau wegen solchen Erfahrungen unternehme ich diese Tour mit Luca!

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